Urban Gardening, was ist das überhaupt?

Garten machen auch vor Städten nicht halt!Urban Gardening ist der Gartenbau in Städten, der zumeist kleinräumig stattfindet. Der Kleingarten in der städtischen Gartenkolonie, der Hof- und der Dachgarten sind typische Beispiele. Urban Gardening gab es schon immer, die Bedeutung dieser gärtnerischen Nutzung von städtischen Flächen wächst aber. Es geht dabei um Nachhaltigkeit, um das Gemüse vor der Haustür, auch um Kostensenkungen und nicht zuletzt um den wichtigen ökologischen Aspekt, dass Lebensmitteltransporte per klimaschädlichem Lkw-Verkehr deutlich durch Urban Gardening zu reduzieren sind.

 

Urban Gardening als Sonderform

Obgleich nicht ungewohnt, sondern traditionell bei Städtern verankert, ist doch Urban Gardening innerhalb des Gartenbaus eine Sonderform. Da die städtische Bevölkerung aber permanent zuungunsten der Landbevölkerung wächst, dürfte Urban Gardening seinen Sonderstatus bald verlieren. Landwirtschaftliche Anbauflächen werden aus verschiedenen Gründen kleiner, der Klimawandel trägt ebenso dazu bei wie die Verstädterung und in Krisengebieten sogar die Flucht aus ländlichen Regionen wegen eines Bürgerkrieges. Schon seit Jahrzehnten dient städtischer Gartenbau der Armutsbekämpfung. Moderne, westliche Menschen sehen das Kostenargument aber als sekundär an. Für sie zählen

  • die lokale Nahrungsmittelherstellung als Mittel, um Transportwege zu vermeiden,
  • die Integration des Gartenbaus in die städtische Lebensweise,
  • das lokale Recycling kompostierbarer Abfälle,
  • die Bewahrung der natürlichen Stoffkreisläufe sowie
  • der Anbau lokaler Spezialitäten.


Urban Gardening bedeutet auch eine Abkehr vom rasend schnellen Konsum, der städtische Gartenbau passt unter anderem zur Slow Food Bewegung. Wo echte Not herrscht, überbrückt Urban Gardening Nahrungsmittelengpässe. Doch auch in westlichen Städten, wo keine Nahrungsmittelnot herrscht, verbessert der städtische Gartenbau nachhaltig die Lebensqualität, denn er wirkt sich signifikant positiv auf das Mikroklima aus und trägt zur Artenvielfalt bei. Darüber hinaus unterstützt er die nachhaltige Stadtentwicklung und sensibilisiert Kinder und Erwachsene für einen nachhaltigen Lebensstil. Die städtischen Gärtner begegnen sich, bilden Gemeinschaften und engagieren sich für ihren Stadtteil.

 

Formen des Urban Gardenings

Es gibt sehr traditionelle Formen wie die Gemeinschaftsgärten, die mehrere Gärtner zusammen - auch auf dem Hinterhof - bewirtschaften, nah verwandt und althergebracht sind Schrebergartenkolonien. Darüber hinaus haben sich einige exotische Varianten entwickelt oder wurden als ehemalige Exoten heute zum Urban Gardening. Dazu zählt etwa das Guerilla Gardening, das einmal als politische Protestbewegung begann. Menschen säten heimlich Pflanzen im öffentlichen Raum aus, um zu protestieren und friedlich zivilen Ungehorsam zu demonstrieren. Sie nutzten dazu beispielsweise öffentliche Grünflächen mit “Betreten verboten” Schildern, aber auch brachliegende Flächen, die einem Immobilienunternehmen gehörten. Inzwischen sind die Streitigkeiten darüber abgeflaut, aus Guerilla Gardening wurde zumeist akzeptiertes Urban Gardening. Harmlosere, wenngleich seltene Formen sind Dachgärten oder interkulturelle Gärten. Letztere bringen Menschen verschiedener Nationen zusammen, die jeweils ihre eigene Gartenkultur auf einem Stück städtischen Bodens vereinen. Diese Idee entstand in den 1990er Jahren in New York, Buenos Aires und Toronto gleichzeitig. Ein urbaner Garten, der auf Permakultur setzt, will einen dauerhaft funktionierenden Kreislauf schaffen und damit die Möglichkeit von Nachhaltigkeit auf kleinstem Raum belegen. Die vertikale Landwirtschaft schließlich betreibt den städtischen Garten vertikal im Wortsinn, also räumlich. Dieses Konzept möchte den Platz in Hochhäusern für das Urban Gardening ausnutzen.

 

Was pflanzen Menschen im städtischen Garten an?

Natürlich könnten Blumen und allerlei Ziergewächse angepflanzt werden, das geschieht teilweise auch. Die eigentliche Intention besteht aber in der (auch demonstrativen) Nahrungsmittelversorgung per Urban Gardening. Sehr ein Hochbeet auf dem Balkonviele Menschen betreiben ein Urban Gardening im Mikrobereich, sie ziehen in einem Blumenkasten etwas Schnittlauch, Petersilie, einige Heilkräuter oder auch - wenn der Balkon groß genug ist - einen kleinen Tomatenstrauch auf. Das ist allemal mühseliger und wohl kaum viel billiger als der Kauf im Supermarkt, dennoch schwören diese städtischen Gärtner auf ihr eigenes Gemüse. Es geht hierbei neben den oben genannten Motiven auch um den Wunsch nach Autarkie, nach Unabhängigkeit von den logistischen Systemen unserer Versorgung, die wir längst nicht mehr durchschauen. Ähnlich empfinden Menschen, die durch eine eigene Solaranlage auf dem Dach energetisch autark werden möchten. Dementsprechend punktet modernes Urban Gardening mit hoher Vielfalt, wie sich an den Produkten aus vertikalen Gärten ablesen lässt. Hierbei setzt man in einer Kreislaufwirtschaft oft Hydrokulturen ein, die unter Gewächshausbedingungen gedeihen. Die Erzeugnisse sind viel Gemüse aller möglichen Sorten und Arten, Früchte, Speisepilze und Algen. Mit einer geschickten Bewirtschaftung, nämlich unter Ausnutzung des Mikroklimas in einem Hochhaus mit Glasfenstern, lässt sich damit ein ökonomisch-ökologischer Effekt erzielen. Das ist allerdings nur schwer zu erreichen.

 

 

 

 

Bildquellenangabe: Ilona Koglin  / pixelio



Noch kein Kommentar vorhanden.
Seien Sie der erste der zu diesem Blogeintrag einen Kommentar erfasst!


Kommentar

Name


Kommentar Kein HTML Code!

Captcha




Wir lieben Garten

Lieben Sie mit uns!